Razzien in Neonazi-Gruppierung: Auch NPD-Anwalt in Hessen unter den Beschuldigten

Am Freitagmorgen durchsuchten rund 500 Beamt:innen 27 Wohn- und Geschäftsräume in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen. Ein Großteil der Beschuldigten gehört den Neonazi-Bruderschaften der „Turonen” und „Garde 20” an. Nach Informationen von demo.report wurde auch ein Szene-Anwalt der NPD Hessen festgenommen. Er soll bei der Geldwäsche geholfen haben.

Im Thüringischen Ballstädt durchsucht die Polizei das "Gelbe Haus" der Neonazi-Bruderschaften "Turonen" und "Garde 20". Foto: Michael Weiland
Micheal Weiland

Micheal Weiland

Journalist @demo.report

Lilian Rist

Lilian Rist

Journalistin @demo.report

Am Freitagmorgen steigt das Sondereinsatzkommando der Polizei durch die Fenster in ein Haus in Ballstädt ein. Zeitgleich werden 27 andere Wohn- und Geschäftsräume in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen durchsucht. Die Razzien sind Teil des Verfahrens der Staatsanwaltschaft Gera gegen 21 Personen, denen Geldwäsche, bandenmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln und Waffenhandel vorgeworfen wird. Das sogenannte „Gelbe Haus” in Ballstädt ist allerdings nicht unbekannt. Es gehört zum Kreis der „Turonen” und der „Garde 20”. Beides sind Neonazi-Bruderschaften, die auch in der Vergangenheit in brutale Angriffe verwickelt waren. 

Ein fester Bestandteil der Neonazi-Szene in Thüringen

Bereits 2014 wurde die Gründung der Gruppierung „Bruderschaft Thüringen“ bekannt. Ende 2015 benannte sie sich um und tritt seitdem unter den Namen „Garde 20“ und „Turonen“ auf. Mitglieder von „Garde 20“/„Turonen“ waren in verschiedenen neonazistischen Gruppierungen aktiv, unter anderem in der früheren „Hausgemeinschaft Jonastal“ (HGJ), beteiligen sich an Aktivitäten rechtsextremer Gruppierungen, veranstalten Rechtsrock-Konzerte und pflegen gute Verbindungen zu den Neonazi-Netzwerken „Blood & Honour“ und „Combat 18“. 

Im Jahr 2019 ordnete das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz 30 Personen der „Bruderschaft Thüringen“ zu. Hauptprotagonisten der Gruppierung sind die langjährigen Rechtsextremen Steffen R. und Thomas W.

Laut einer aktuellen Aufstellung der Landesregierung wurden seit 2019 32 Verfahren verzeichnet, die von Personen begangen wurden, die den „Turonen“ zuzurechnen sind: darunter Betrug, Volksverhetzung und Körperverletzung. 

 

Mitglieder der „Garde 20“ und der „Turonen“ waren zudem bei dem Neonazi-Überfall auf eine Kirmesgesellschaft im Februar 2014 in Ballstädt beteiligt, bei dem mehrere Menschen teils schwer verletzt wurden. Bis heute wurde keiner der damaligen Täter rechtskräftig verurteilt. Mindestens zwei der damals Beschuldigten sind nun auch Teil des aktuellen Verfahrens. 

 

Laut LKA Thüringen befinden sich die meisten der durchsuchten Objekte im Raum Gotha. Im “Gelben Haus” fanden die Ermittler:innen am Freitag unter anderem Langwaffen, eine größere Menge Bargeld und rechte Devotionalien. Weitere Durchsuchungen fanden in Bad Langensalza und Saalfeld-Rudolstadt, sowie im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt statt. Die Person aus Sachsen-Anhalt werde im laufenden Verfahren jedoch als Zeuge geführt, so das LKA. Zehn Personen wurden bereits festgenommen.

Neonazi-Anwalt soll bei Geldwäsche geholfen haben

In Hessen stürmte die Polizei eine Anwaltskanzlei. Laut Informationen von demo.report soll es sich bei der durchsuchten Person um den rechten Szene-Anwalt Dirk Waldschmidt handeln. Waldschmidt, ehemals stellvertretender Vorsitzender der NPD Hessen, vertrat bereits zeitweise den Mörder Walter Lübckes, sowie den Saalfelder Neonazi und Hooligan Felix R. vor Gericht. Mitglieder der „Garde 20“/„Turonen“ unterstützten R. damals während des Prozesses und erschienen regelmäßig zu den Verhandlungen. Auch der Zeuge im NSU-Prozess Andre K., der im „Thüringer Heimatschutz” aktiv war, wurde von Waldschmidt betreut. 

Laut Informationen des MDR Thüringen sollen die Mitglieder der Neonazi-Gruppierung seit Jahren weite Teile des Drogenhandels in Thüringen organisiert und Waldschmidt ihnen bei der Geldwäsche geholfen haben. Er wurde am Freitag festgenommen.

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